wir und unsere Hörer- Teil 64
Hörerpostsendung am 5. Juni 2016 Bismillaher rahmaner rahim Heute begrüßen wir Sie liebe Hörerfreunde mit einem Strauß wunderschöner roter Rosen zu unserer Hörerpostsendung. Damit wollen wir uns bei allen bedanken, die uns in letzter Zeit Empfangsberichte, Internationale Postwertscheine, Briefe und sonstige Beilagen nach Teheran oder Berlin geschickt haben.
Dazu gehören Michael Brawanski aus Annaberg-Buchholz; Ullrich Wicke aus Felsberg; Michael Lindner aus Gera; Martina Pohl aus Überlingen; Alfred Albrecht aus Emmendingen; Bernd Seiser aus Ottenau; Joachim Thiel aus Wuppertal; Andreas Pawelczyk aus Mannheim; Jörg Hoffmann aus Alsbach; Kurt-Jürgen Przystupa aus Duisburg; Dieter Buchholz aus Klein-Oschersleben; Eduard Alex aus Isny, Paul Gager aus Wien; Günter Jacob aus Passau; Christian Laubach aus Marburg. Vielen Dank Ihnen allen!
Und in welchem Hörergarten wir die Rosen für Sie gepflückt haben, erfahren Sie nach etwas Musik.
So liebe Hörerfreunde, nun lesen wir Ihnen die Mail vor, aus der Sie erfahren sollen woher die schönen Rosen stammen, die wir Ihnen heute überreichen wollen, denn wir selbst haben ja auch einen Strauß davon bekommen und bedanken uns dafür herzlich beim Absender.
"Liebes Team der deutschen Redaktion von IRIB!
Am Mittwochabend hatte ich wieder einmal Zeit, Ihre deutsche Sendung zu hören. Der Empfang auf 7235 kHz war problemlos möglich, und so konnte ich das abwechslungsreiche IRIB-Programm gut verfolgen. Besonders interessant war für mich der Beitrag über den iranischen Dichter Hafez. Die Bewunderung, die Johann Wolfgang von Goethe ihm entgegengebracht hat, wurde entsprechend gewürdigt. In diesem Zusammenhang möchte ich auf das eindrucksvolle Goethe-Hafez Denkmal hinweisen, das in Weimar steht und ein Zeichen der kulturellen Toleranz und Völkerverständigung darstellt. Gerade in der heutigen Zeit sind solche Orte der geistigen Begegnung von besonderer Wichtigkeit.
Sehr schön war auch die Musik, die den Beitrag stimmungsvoll begleitet hat. Können Sie mir bitte mitteilen, wie diese persische Musikrichtung heisst und welche Instrumente dafür verwendet werden?
Über eine Empfangsbestätigung des oben stehenden Empfangsberichts würde ich mich wieder sehr freuen und danke dafür herzlich im Voraus.
Anbei schicke ich Ihnen als kleinen Dank einen Rosengruß aus unserem Garten. Die abgebildete Kletterrose, die hinter unserem Haus steht, blüht dieses Jahr sehr prächtig und wird Sie hoffentlich ebenso erfreuen.
Wieder einmal mit den besten Grüßen und guten Wünschen an die gesamte deutsche Redaktion von IRIB,
Ihr Hörer Jörg-Clemens Hoffmann"
Vielen Dank Herr Hoffmann – für den Empfangsbericht mit den guten SINPO-Werten von 4 über die 7235 kHz-Ausstrahlung, und die schönen Rosen, die wir gerne benutzt haben um sie an unsere lieben Hörerfreunde weiterzureichen. Die Informationen über die persische Musik gibt Ihnen unser Aufnahmeleiter Herr Mahbod natürlich gerne und Herr Radschabi, der übrigens auch ein Musikexperte ist, sagt Ihnen nun Näheres zu Ihren Fragen:
Die Musikrichtung die in diesem Sendebeitrag verwendet wurde ist die traditionelle iranische Musik, bei der die Instrumente Langhalslaute mit 3 Saiten - Setar, die Langhalslauten Tar und - Tanbur, die Längsflöte - Ney, die Urform von Zither und Hackbrett – das Santur, die Bechertrommel - Tombak und die Stachelgeige - Kamantsche verwendet werden. Hören Sie gleich ein wenig Musik mit einigen dieser Instrumente.
Das Interesse Herrn Hoffmanns für unsere Sendungen und unser Land geht auch über Musik und Kultur hinaus und unsere Sendungen haben ihn zu weiteren Fragen angeregt. In einer früheren Mail stellte Herr Hoffmann folgende Fragen. Hier ist seine Mail von Ende April:
"Liebe deutsche Redaktion von IRIB Teheran,
gerne schicke ich Ihnen wieder einen Hörbericht zu. Dieses Mal habe ich die Abendsendung auf 9660 kHz in ausreichender Signalstärke empfangen können. So macht das Zuhören natürlich viel Spaß. Haben Sie Dank für die interessanten Beiträge. Besonders hörenswert war für mich der Bericht über die Verarbeitung der Edelmetalle. In diesem Zusammenhang würde es mich interessieren, ob im Iran Gold- und Silbermünzen als Wertanlage frei käuflich sind und ob es in Ihrem Land Edelmetall – Lagerstätten gibt, die abgebaut werden?
Über eine Empfangsbestätigung würde ich mich wieder sehr freuen. Herzlichen Dank dafür im Voraus."
Bevor wir den Rest der Mail von Herrn Hoffmann vorlesen, kurz zu seinen Fragen. Also zu den Gold- und Silbermünzen ist zu sagen, dass vor allem Goldschmuck und die Goldmünzen im Leben der Iraner eine große Bedeutung und hohe Wertstellung haben, und sie werden gerne als Wertanlagen gekauft. Seit dem Sieg der Islamischen Revolution werden die iranischen Goldmünzen mit dem Namen 'Bahar-e Azadi' bezeichnet, das bedeutet "Frühling der Freiheit".
Die kurz auch als 'Azadi-Münzen' bezeichneten Goldstücke sind als Ganze, Halbe oder Viertel-Münzen im Umlauf und werden auch gerne zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten und Geburten geschenkt oder das Brautgeld wird in einer bestimmten Anzahl dieser Münzen festgelegt.
Die ganze Azadi-Münze hat ein Gewicht von etwas über 8 Gramm. Der Wert einer ganzen Azadi-Goldmünze liegt derzeit umgerechnet bei rund 250 Euro.
Die historische Bedeutung der Goldmünzen in Iran spiegelt sich also auch in ihrem Gewicht wieder, denn die zu den ältesten Goldmünzen in der Welt gehörenden 'Dareikos' aus dem Achämenidenreich, d.h. also von 500 vor Christus, waren ebenfalls etwas schwerer als 8 Gramm.
Im Februar diesen Jahres fand die 8. Internationale Gold, Silber und Juwelen-Ausstellung in Teheran statt, auch dies ist ein Zeichen der Bedeutung von Gold in Iran.
Die wichtigsten iranischen Goldvorkommen finden sich in der Provinz Kerman im Südosten des Landes und in den Provinzen Ost- und Westaserbaidschan im Nordwesten des Landes. Aber Iran nimmt International keinen bedeutenden Platz unter den Goldförderländern ein und ist unter den ersten 20 größten Goldproduzenten nicht zu finden.
Dafür steht es aber bei dem Edelstein Türkis an erster Stelle und ist weltweit der älteste, beste und größte Türkishersteller.
Und die wichtigsten Bodenschätze Irans sind, wie Sie sicher ja wissen, Erdöl, Erdgas und Kohle.
Das Erdöl wird ja auch oft als 'Schwarzes Gold' bezeichnet und außerdem hat Iran noch das 'Rote Gold' zu bieten, nämlich den Safran, das teuerste Gewürz der Welt.
Wie sagt ein altes Sprichwort: "Es ist nicht alles Gold was glänzt"!
Und das schwarze und rote Gold in Iran zeigen, dass nicht alles glänzt was "Gold" ist
Nun aber weiter mit Herrn Hoffmanns Mail, denn Sie enthält noch wichtige Informationen und zeigt seine Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Kulturen und Religionen:
"Diesem Schreiben füge ich eine Postkarte von der Merkez-Moschee im Duisburger Stadtteil Marxlohbei, die ich Anfang April besucht habe. Die beeindruckend schöne Moschee, die zurzeit die größte in Deutschland ist, steht in direkter Verbindung mit einer interreligiösen und interkulturellen Begegnungsstätte. Ziel ist der Dialog unter der Kuppel". Gerade in der heutigen Zeit ist die Kommunikation besonders wichtig, um zu erkennen, was der Islam ist und wie viele Gemeinsamkeiten die Weltreligionen haben.
Es grüßt herzlich Ihr Kurzwellenhörer Jörg-Clemens Hoffmann"
Es war nicht die erste Postkarte von einem Moschee-besuch Herrn Hoffmanns, denn auch schon früher hat er uns Postkartengrüße von einer Moschee geschickt, z.B. auch aus der Türkei.
Wir freuen uns, dass Herr Hoffmann zu unseren Hörerfreunden gehört, die gegenüber dem Islam aufgeschlossen sind und sich erst einmal informieren bevor sie mitreden.
Das ist ja auch in der heutigen Zeit in Europa, die besonders seit dem letzten Jahr im Zeichen der Flüchtlingskrise steht, sehr wichtig, denn die meisten Flüchtlinge kommen ja aus islamischen Ländern und die Konfrontation mit ihrer Religion und Lebensweise wird da oft unvermeidbar.
Mit unseren Sendungen wollen wir von IRIB zu einem besseren Verständnis des wahren Islam und der Grundsätze der Islamischen Republik Iran beitragen. Gerade vor ein paar Tagen war der Jahrestag des Dahinscheidens von Imam Khomeini, dem Gründer der Islamischen Republik Iran, und vor Kurzem bekamen wir eine sehr lange Mail von Martin Lindloff, die sich unter anderem auch auf die Islamische Revolution bezieht. Außerdem hat Herr Lindloff in seiner Mail eine sehr interessante These erstellt.
Bevor wir aus seiner langen Mail nun vorlesen, erst einmal unser heutiges Musikstück.
So nun kommen wir also zur Mail von Herrn Lindloff mit einer sehr interessanten These:
"Sehr verehrtes Radio Iran,
ich finde es großartig, daß Sie immer noch eine Seite auf Deutsch anbieten, die ich auch äußerst informativ finde und die ich auch sehr gerne lese. Vielen Dank dafür. Ich wollte noch ein paar Gedanken äußern. Ich war immer ein Anhänger der Islamischen Revolution, die vom verehrten Revolutionsführer Khomeni geführt wurde und die von Herrn Khamenei jetzt weiter geführt wird. Ich habe das nicht immer im Einzelnen verfolgt, weil es sicherlich noch andere große Länder auf der Welt gibt, mit denen ich mich auch sehr beschäftige. Das heißt, ich bin absolut kein Experte für den heutigen Iran und nehme das auch nicht für mich in Anspruch.
Sehen Sie, ich glaube nicht, daß es sich bei der Islamischen Revolution im Iran schlichtweg um eine religiöse Erweckungs-bewegung gehandelt hat. Der tief religiöse Mensch im Iran wird es möglicherweise so verstehen, nur ich denke, daß das ein Mißverständnis wäre. Das heißt, selbstverständlich ist der Iran ein islamisches Land und wird dies auch immer bleiben, aber es ging bei der Islamischen Revolution sicherlich nicht nur um Religion, sondern auch darum, die alten Eliten, die abgewirtschaftet hatten, zum Teufel zu jagen. Und die wirklich großen Geister wie Luise Rinser oder Peter Schollatour haben ein positives Verhältnis zur Islamischen Revolution im Iran gehabt wie ich auch.
Im übrigen können Sie mich gerne für verrückt erklären, aber ich denke in einer sehr langen historischen Perspektive könnte ich mir sehr gut vorstellen, daß auch der Iran irgendwann Teil der Europäischen Union wird. Jedenfalls glaube ich, daß die Türkei irgendwann zur Europäischen Union dazu gehören wird. Aber wenn das passiert, dann wird die europäische Union nicht mehr das "christliche Abendland" repräsentieren, denn die Türkei ist ein viel zu großes und wichtiges Land, um dann nicht auch zu den prägenden Kräften der neuen Europäischen Union zu gehören. Und dann ist es eben die Frage, ob nicht am Ende doch auch andere islamische Länder Teil der EU werden."
An dieser Stelle unterbrechen wir erst einmal die Mail von Herrn Lindloff und schauen auf die Realitäten bezüglich seiner Prognose über die Zugehörigkeit der Türkei zur EU. Die aktuellen Ereignisse, zudenen die großen Probleme der letzten Zeit mit der Türkei, unter anderem angesichts der Flüchtlingskrise und der offiziellen Bezeichnung der Ermordung der Armenier in der Türkei als Völkermord, durch den Beschluss des Deutschen Bundestages gehören, haben einen Anschluss der Türkei an die Europäische Union noch weit mehr infrage gestellt als bisher schon.
Wie sagte diesbezüglich der brititsche Premierminister David Cameron vor Kurzem:
"Die Türkei wird mindestens ein Jahrtausend brauchen, um der Europäischen Union beizutreten."
Und der noch in diesem Monat bevorstehende Volksentscheid in Britanien über einen Verbleib in der EU, rüttelt ebenfalls am Gerüst dieser europäischen Völkergemeinschaft.
Mit den Worten des früheren französischen Staatschefs Nikolas Sarkozy, sind ein möglicher EU-Ausstieg Großbritanniens und der EU-Beitritt der Türkei die schlimmste Variante der Entwicklung für Europa.
Und zu einer Zeit wie dieser spricht Herr Lindloff von der fernen Möglichkeit eines Beitritts der Islamischen Republik Iran zur EU – klingt das nicht besonders utopisch? Was sind die Gründe für seine Idee? Lesen wir in seiner Mail weiter:
"Und hat Europa eigentlich ein Interesse, ein Land wie den Iran in die Europäische Union aufzunehmen? Ja, es hat ein Interesse. Man braucht ja nur mal zu sehen, was die größten Länder sind. China hat 1,4 Milliarden Einwohner, Indien 1,3 Milliarden Einwohner. Das drittgrößte Land der Erde sind dann schon die USA mit 320 Millionen Einwohnern. Ja, und was heißt das? Das heißt, daß selbst die USA, und mögen sie auch noch so technologisch fortgeschritten sein, gegenüber China und Indien ein Zwerg sind. Und wie groß ist die EU? Na ja, immerhin 508 Millionen Einwohner, größer als die USA sicherlich, aber immer noch ein etwas größerer Zwerg gegenüber China und Indien. Hätte Europa allerdings die Ambition, die Größe Chinas und Indiens noch auszubalancieren, dann müßte es expandieren und das hieße letzlich, die Vorstellung von Europa als dem "christlichen Abendland" aufzugeben. Und dann würden am Ende auch islamische Länder dazu gehören. Wahrscheinlich weniger die arabischen, das ist eine Welt für sich."
"Und dann sage ich noch mal. Ich bin jemand, der sich sehr intensiv mit anderen Kulturen auseinandergesetzt hat. Wenn ich also sage, daß sich Europa islamischen Ländern auch öffnen soll, dann ist der Grundgedanke davon, daß man nicht in Kategorien von "Äquidistanz" denken sollte. Und das heißt, auch wenn ich Christ bin und es mir klar ist, daß der Islam eine andere Kultur ist, so habe ich doch aus meiner intensiven Auseinandersetzung mit dem Islam die Erfahrung gemacht, daß sich Islam und Christentum bei allen Differenzen doch noch sehr viel näher sind, als man so glaubt. Dagegen wenn ich versucht habe, die chinesische oder die indische Kultur zu verstehen, dann verstehe ich als Abendländer einfach gar nichts mehr. Ich mag dafür Empathie entwickeln, ich bin auch in der Lage, hier einiges zu verstehen, aber die Kulturen sind mir letzlich zu fremd, um sie wirklich zu verstehen. Das ist bei meiner Auseinandersetzung mit dem Islam schon anders.
Das wollte ich nur noch mal sagen und dann nur noch mal wiederholen, daß ich ihre Seite sehr schätze und sie auch weiterhin mit Interesse lesen werde.
Mit herzlichen Grüßen Martin Lindhoff"
Wir danken Herrn Lindhoff für sein Interesse und seine interessanten Ausführungen und Thesen.
Aus seiner Mail und den Mails von Herrn Hoffmann geht deutlich hervor, dass es Tatsache ist, dass verschiedene Kulturen existieren und miteinander konfrontiert werden. Wäre es da nicht das Beste, wenn sie es auf friedlichem Wege tun. Wie schrieb neulich unser Hörerfreund Helmut Schafheitle aus Singen:
"Nun ist es an der Zeit, dass gute Muslime und gute Christen zusammenarbeiten gegen die Ungerechtigkeiten in der Welt und gegen jede Art von Terrorakt."
Hoffen wir, dass es in diesem Sinne weitergeht, besonders auch jetzt wo für die Muslime der Fastenmonat Ramadan beginnt.
Unser Hörerfreund Werner K. hat das nicht vergessen und schrieb:
"Gesundheit, Glück und Zufriedenheit im Ramadan Monat – alles Gute und ein gesegnetes Leben.
Mit besten Wünschen WK"
Vielen Dank und in diesem Sinne
Choda hafez – Gott schütze Sie!