Neu-Muslime und Nicht-Muslime im Arbain-Fußmarsch
Unter den Pilgern zur Arbain, die zu Fuß auf dem Weg nach Karbala sind, begegnest du solchen,die erst vor einigen Jahren Muslim wurden oder die sogar anderen Religionen angehören.
Der Fußmarsch anlässlich des 40. Trauertags für Imam Husain (Friede sei ihm) ist zurzeit die größte Menschenversammlung auf der Welt. Gastgeberland ist Irak. Obwohl dieses Land nur wenig Möglichkeiten für Reisende bieten kann und die Sicherheitslage nicht gerade die beste ist, empfängt es Millionen von begeisterten Pilgern, die auf verschiedenen Wegen, zu Fuß nach Karbala herbeikommen, um ihrem Imam Husain Achtung zu zeigen.
Es sind fast 14 Jahrhunderte vergangen, seitdem Dschabir Ibn Abdullah Ansari, als erster zum 40. Tage nach dem Märtyrertod von Imam Husain diesen an seinem Grab besuchte, nachdem er den weiten Weg von Medina nach Karbala zu Fuß zurückgelegt hatte. Seitdem haben sich immer wieder viele Pilger auf den Weg nach Karbala zur Heiligen Ruhestätte des Fürsten der Märtyrer gemacht, obwohl dies oftmals mit Gefahren verbunden war. Ajatollah Khamenei , Oberhaupt der Islamischen Revolution sagt: "Die magnetische Anziehung beginnt mit Arbain - dem 40. Tag nach dem Märtyrertod von Imam Husain (Friede sei mit ihm) . Sie setzt Dschabir Abdullah in Medina in Bewegung und holt ihn nach Karbala herbei. Es ist der gleiche Anziehungskraft, die auch Sie und ich heute - nach vielen Jahrhunderten - in unseren Herzen verspüren."
Heute existiert das Saddam-Regime nicht mehr, welches die Pilgerfahrt nach Karbala einschränkte. Heute ist trotz der Drohungen der Terroristen und trotz vieler Probleme, der Fußmarsch am 40. Trauertag großartiger denn je zuvor. Er zieht begeisterte Herzen aus verschiedenen Teilen der Welt an.

Unterwegs in den Arbain-Pilgerzügen nach Karbala triffst du nicht nur Schiiten, die schon im Arm ihrer Mutter deren Liebe zu Husain verspürt haben, sondern du begegnest auch Pilgern, die erst seit einigen Jahren Muslim geworden sind. Es sind Gäste aus Ländern, in denen Wohlstand herrscht. Aber ihnen bedeutet der staubige Weg zur Heiligen Stätte von Imam Husain (F) tausendmal mehr als all das. Ihr Augen sind die schillernde westliche Welt leid und sie sind frohgemut, weil sie ein neues helles Weglicht gefunden habe. Sie haben Imam Husain gefunden. Einer von ihnen ist eine junge Frau aus Holland. Sie hat sich dem Islam angeschlossen, nachdem sie sich mehrere Jahre lang mit dem Koran befasst hat. Sie sagt, dass es ihr Herzenswunsch gewesen ist, nach Karbala zu pilgern.

Die junge Holländerin ist zusammen mit ihrem Ehemann und mit ihrem kleinen munteren Kind gekommen. Sie sagt: "So etwas werdet ihr in Holland nicht finden. In Holland hat der Staat viel Geld und er leistet euch Unterstützung... aber mir gefällt das Leben hier besser. Es ist für mich nicht wichtig, dass hier die Annehmlichkeiten sehr gering sind. Das Leben ist in Holland sehr kalt und ich bevorzuge dieses herzliche und warme Leben hier."
Aber es gibt noch andere Europäer im Arbain-Fußmarsch. Zum Beispiel ein junger Mann aus der Ukraine. Er heißt Roman. Roman ist kein Muslim, aber er hat seine muslimischen Freunde begleitet, um an diesem gewaltigen Ereignis teilzunehmen. Eigentlich ist er nur aus Neugier mitgekommen, aber jetzt spürt er die Anziehungskraft Husains. Er ist überrascht über die zahllosen Anhänger Imam Husains und über die Gastgeberschaft der irakischen Bevölkerung und fragt sich: Wer ist Husain und wie kann er nach 14 Jahrhunderten diese Bewegung hervorrufen? Roman denkt viel nach, und stellt Fragen und schließlich begreift er wer Husain ist. Und da entschließt er sich, Muslim zu werden.
Roman hat auf diese Pilger-Fußmarsch auch die Großzügigkeit der muslimischen Bevölkerung in Irak beeindruckt. Er sagt: "Mein Besuch bei den Heiligen Stätten hat meine Einstellung zu den Schiiten verändert. Die Schiiten sind genau im Gegensatz zu dem, was die westlichen Medien über sie sagen, sehr freundliche Menschen, die Krieg und Feindschaft ablehnen... Auf dieser Reise bin ich zu der Gewissheit gelangt, dass der edle Islam Mohammads die Religion der Vergebung und des Selbstopfers ist . Ich habe mich entschlossen, mein Bekenntnis zum Islam in der Heiligen Stätte Imam Husains (Friede sei mit ihm) bekannt zu geben.

Auch Igor kommt aus der Ukraine. Aber er ist schon vorher Muslim geworden und war dieses Jahr zum ersten Mal beim Arbain-Fußmarsch dabei. Er berichtet: Als ich in Nadschaf die Heilige Stätte von Imam Ali (Friede sei ihm) betrat, hat mich der Friede und die sichere Atmosphäre an diesem Ort völlig überrascht. Die Aufmerksamkeit und Gastfreundlichkeit der Menschen und der Hüter der Heiligen Stätte war ganz anders als das, was man uns über die Lage im Irak erzählt hat."
Igor weiter: "Wir werden allen in unserem Land erzählen, was wir hier gesehen haben und ihnen sagen, dass sich uns der wahre Sinn des Islams in dem Erbe und dem Wissen der Ahle-Bait (der Edlen aus dem Prophetenhause) und den Heiligen Stätten dieser Edlen offenbart hat."
Roman und Igor sind keine Ausnahmen. Sie vertreten eine neue Welle auf der Welt - Die Welle der Liebe zu Husain (Friede sei mit ihm) Der Fußmarsch zu Arbain ist diese große Strömung, welche das verlogene Imperium der weltverschlingenden Mächte zum Einsturz bringen kann und ein Licht für die Herzen überall auf der Welt, die sich nach der Wahrheit und dem Recht sehnen.

Claudia kommt aus Italien und ist katholisch. Sie ist Fotografin und vor einigen Jahren hat sie eine Fotoausstellung über Aschura - in Rom veranstaltet. Im Iran hat sie die Bilder zu den Trauerzeremonien zu Aschura, dem Tag des Märtyrertodes Imam Husains (F) gemacht. Mit diesen Bildern wollte sie für ihre Landsleute etwas von der Liebe der Iraner für Imam Husain (F) wiedergeben und ihre Eindrücke festhalten. Sie sagt: "Die Trauerzeremonien der Iraner für Imam Husain (F) haben mich so bewegt dass ich wie sie selber für Imam Husain (F) Tränen vergossen habe."
Claudia hat letztes Jahr am Fußmarsch nach Karbala teilgenommen und erklärt: "Allmählich wird mir klar, dass Imam Husain nicht nur eine Person ist, sondern er ist wie ein Weg und eine Lebensweise. Ein Leben im Dienste der Wahrheit! Das gefällt mir und ich möchte auch ein solches Leben führen und das Bestmögliche für Recht und Gerechtigkeit tun." Claudia sagt, dieser Fußmarsch trägt dazu bei, dass man Neues in sich selber und über Imam Husain (F) entdeckt."
Die italienische Fotografin trug während des Fußmarsches den vollständigen Islamischen Hidschab und wie andere ein Stirnband auf dem stand: Ya Husain Madhlum soviel wie O unterdrückter Husain - - Sie sagt: Hier habe ich eines der schönsten Dinge im Leben gefunden. Claudia gehört zu den vielen Menschen, die Husain (F) wegen seiner hohen Eigenschaften und seinem heiligen Ziel bewundern, auch wenn sie noch keine Muslime sind.
Wir haben einige Beispiele für Nicht-Muslime und Neu-Muslime genannt, die am Arbain- Fußmarsch nach Karbala teilgenommen haben . Nun sollten wir auch noch eine große Gruppe von Schiiten nennen, die anlässlich Arbain- ebenso einen Fußmarsch antreten. Es sind die Schiiten in Nigeria. Bis vor 40 Jahren bildeten sie noch eine sehr kleine Minderheit in diesem Land. Doch in den letzten 30 Jahren sind mehr als 10 Millionen Nigerianer, die vorher Sunniten oder Christen waren, zum schiitischen Glauben übergetreten. Ihr Anführer ist Scheich Zakzaky .
Seit Monaten sitzt dieser schiitische Gelehrte im Gefängnis ohne vor Gericht gestellt zu werden. Die Schiiten von Nigeria verdanken Scheich Zakzaky ihr Glaubenserwachen. Für viele von ihnen ist es zu weit von Nigeria nach Karbala und sie können es sich finanziell gar nicht leisten zur Teilnahme am Arbain-Pilgerzug nach Irak zu reisen.Daher führen sie in Nigeria selber einen symbolischen Arbain-Fußmarsch durch. Von ihren Städten aus ziehen sie zu Fuß nach Zaria , das Zentrum der religiösen Aktivitäten Scheich Zakzakys. Dort versammeln sie sich zu den Trauerzeremonien zum 40. Trauertag für Imam Husain in der Husainiya dieser Stadt. Circa 8 Millionen Nigerianer nehmen an diesem Fußmarsch in ihrer Heimat teil. Aber kein Medium berichtet darüber.. Die Schiiten von Nigeria organisieren diesen Fußmarsch selber und von Jahr zu Jahr steigt die Zahl der Teilnehmer. Obwohl ihnen der Angriff der Armee und von Terroristen droht, betreten sie den Weg der Liebe zu Husain (Friede sei mit ihm).